«Nichts ist absolut. Alles ändert sich, alles bewegt sich, alles dreht sich, alles fliegt und geht weg.»

Frida Kahlo

RÜCKBLICK


Frida. Ein Blick in die Vergangenheit

Ein bildgewaltiges Tanztheater über Frida Kahlo und eine Hommage an Mexiko!

Frida Kahlo ist heute präsenter denn je – spätestens seit Pop-Ikone Madonna öffentlich ihre Bewunderung für die außergewöhnliche Künstlerin bekundete. Dass nun das Tanztheater „Frida“ auf die Bühne kommt, scheint in diesen Trend zu passen. Doch für Choreograf und Künstler Jairo Bravo ist Frida Kahlo weit mehr als eine Modeerscheinung: Seit über zwanzig Jahren setzt er sich intensiv mit der berühmten Landsfrau auseinander. Beide stammen aus Mexiko, beide sind leidenschaftliche Botschafter ihrer Kultur, und für beide ist die Kunst ein Ventil, um persönliche Erfahrungen und Schicksalsschläge zu verarbeiten. 
 
Das zeitgenössische Tanztheater „Frida. Ein Blick in die Vergangenheit“ zeichnet das eindrucksvolle Porträt einer Frau, die mit unerschütterlichem Mut und Hingabe ihren eigenen Weg ging – in einer Epoche, in der Frauen mit zahlreichen gesellschaftlichen Hürden konfrontiert waren. Geprägt von einem schweren Unfall und chronischem Leiden, gelang es Frida Kahlo, ihre Vision von persönlicher Weiterentwicklung auf beeindruckende Weise umzusetzen. Die Inszenierung beleuchtet nicht nur Kahlos Leben, sondern auch die Geschichte und Kultur Mexikos jenseits touristischer Klischees – sowohl aus ihrer Perspektive als auch durch die künstlerische Handschrift des Choreografen Jairo Bravo.  
 
Vor allem ist „Frida. Ein Blick in die Vergangenheit“ eine Metapher für den unerschütterlichen Willen, mit Disziplin, Willenskraft, Mut und einer klaren Vision den eigenen Weg immer weiter zu beschreiten.   
 
Aus allem, was Frida Kahlo als Frau und Künstlerin erlebt, gesehen und erlitten hat, schuf sie eine Malerei, die uns bis heute herausfordert und bewegt – ebenso wie ihre Zeitgenossinnen und Zeitgenossen vor fast hundert Jahren.  Frida Kahlos Leben, ihre Kämpfe und ihre starke Persönlichkeit sind ein Vorbild für alle, die schwierige Zeiten durchleben, leiden oder sich von gesellschaftlichen Zwängen befreien wollen. Auch Jairo Bravo, gemeinsam mit den Co-Choreografinnen Jeanine Bravo und Nia Dekova, schöpft aus diesem Vermächtnis Inspiration für sein künstlerisches Schaffen als Tänzer, Choreograf und Sänger.


Das Stück

Frida Kahlos Leben war ein Tanz zwischen Schmerz und Leidenschaft, zwischen politischem Aufbruch und persönlicher Zerbrechlichkeit – ein Leben, das sich in Farben und Formen ausdrückte, dort wo Worte nicht mehr reichten. Dieses Tanztheater nimmt die Zuschauer mit auf eine poetische und kraftvolle Reise durch das Innenleben und die Erinnerungen einer der faszinierendsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. 
­
Zu Beginn hören wir die Stimme von Fridas Seele – sie spricht zu uns, mit Worten und durch Bewegung. Sie offenbart uns das emotionale Spannungsfeld, in dem Frida lebte: zwischen Liebe und Verlust, Krankheit und Widerstand, Sehnsucht und Stärke. 
 
Aus dieser inneren Welt taucht eine Erinnerung auf – Diego Rivera, der Mann, der Fridas Leben zutiefst prägte. Er sitzt betrunken am Tisch, versunken in seine Gedanken, während sich das Bild Fridas aus dem Schatten seiner Erinnerungen löst. In einem leidenschaftlichen Tanz begegnen sich ihre Seelen erneut – ein Ringen zwischen Nähe und Schuld, zwischen Anziehung und Schmerz. 
 
Diese persönliche Geschichte verweht im nächsten Moment im kollektiven Aufbruch. Die Luft knistert: Revolution liegt über Mexiko. Ein neues politisches Bewusstsein erwacht, auch in Frida, deren Leben untrennbar mit dem Schicksal ihres Landes verwoben ist. Der gesellschaftliche Umbruch spiegelt sich in ihrem künstlerischen Denken, in ihrem Mut zur Wahrheit. Es folgen zarte Rückblenden in ihre Kindheit, in der erste Schmerzen und Ausgrenzung aufgrund ihrer Krankheit Fridas Körper und Seele prägten. 
 
Der Blick weitet sich auf das Mexiko ihrer Zeit: Männer auf dem Weg zur Arbeit, begleitet vom Geist des Machismo, dem Frida als Frau, als Künstlerin und als eigenständige Denkerin immer wieder die Stirn bieten musste. 
 
Dann ein Moment der alles veränderte: der Unfall. In einer erschütternden Szene wird jener Moment vertanzt, der Fridas Körper für immer verändern sollte und ihr Leiden zu einem ständigen Begleiter machte. Doch Frida fand einen Ausdruck für ihren Schmerz: die Kunst. Vier ihrer Bilder werden auf der Bühne lebendig. „Die zerbrochene Säule“, „Frida und Diego Rivera“, „Die zwei Fridas“ sowie „Henry Ford Hospital“, werden nicht nur dargestellt, sondern gespürt. Besonders bewegend ist die Begegnung mit dem Kind, das sie nie haben konnte – ein Moment voller Zärtlichkeit und Verlust. 
 
Aus dieser intimen Begegnung reißt uns das pulsierende Nachtleben Mexikos. Die Künstler, die Bohème, das Feuer der Musik – und mittendrin Diego, der sich immer wieder verlor in anderen Frauen. Frida bleibt zurück, mit einem gebrochenen Herzen – doch nie gebrochenem Geist.  
 
Zum Abschluss hallt ein alter mexikanischer Mythos durch die Dunkelheit: La Llorona – die weinende Frau. Sie steht symbolisch für all die Trauer, die Frida bis ans Ende ihres Lebens in sich trug, aber auch für die Kraft, aus dieser Trauer Schönheit zu erschaffen. Im Tod begegnet Frida dem Spiegelbild ihres innersten Wesens – jener Frida, die sich vom Schmerz befreit hat und mit leuchtender Kraft sagt: Gib niemals auf. Kämpfe bis zum letzten Atemzug. 
Dieses Stück ist keine chronologische Biografie. Es ist eine Annäherung – tänzerisch, sinnlich, fragmentarisch – an das, was Frida Kahlo in ihrem Innersten war: eine Kämpferin, eine Liebende, eine Künstlerin. 


Juli 2025 – Stadttheater Kempten

Fotos: © Günther Rehm